Clémence Ruben
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Ich bin eine TransFrau
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Clémence

Mein Körper
September 26


Mein Körper ist männlich. Biologisch, physisch.

Mein Inneres ist weiblich. Es ist kein Körper. Es ist das Sein.

Das ergibt die TransFrau.

Ein natürlicher Körper ist für mich bedeutsam, Bio. Ich habe diesen Körper so bekommen und möchte ihn so akzeptieren, wie er ist. Ohne Hormone, ohne Operationen. Ich habe ein Ja zu ihm.

Als TransFrau habe ich eine starke Beziehung zu meinem Körper. Er ist mir sehr bewusst. Er ist jeden Moment, jede Sekunde, permanent präsent. Da er nicht zu meinem Inneren passt.

Auch meine innere Frau ist mir immer bewusst und stets präsent. Sie ist stärker als das Äussere, der Körper. Das Sein ist innen, das bin ich. Ich liebe dieses Innere, die Frau.

Ich bin nicht der Körper, ich bin in ihm. Es kommt zuerst, dann folgt der Körper. Das Innere ist das Lebendige. Es belebt den Körper.

Mein inneres Sein sagt mir, dass dieser Körper nicht stimmt. Es ist nicht der Körper, der mir das sagt. Sonst hätte ich es ja seit der Geburt gewusst. Der Körper merkt vermutlich nicht, dass eine Frau in ihm wohnt. Er ist einfach ein Körper, wie er ist. Es ist ihm vermutlich egal. Aber er braucht jemanden, der in ihm wohnt. Sonst ist er tot. Und das innere Sein braucht einen Körper, um sich zu manifestieren. Das ergibt den Menschen. Aber es kann auch ohne Körper sein.

Natürlich brauchen wir hier den Körper, um all das zu erkennen. Der Mensch ist ein Zusammentreffen des Inneren und des Äusseren. Eine Fusion. Wenn wir sterben, dann defusionieren wir.

Hier, als Mensch ist das Innere mit dem Äusseren stark verbunden, deshalb ist es ja auch schwierig, diese Trennung zu erkennen. Im Tod sind wir wieder dort. Wir verlassen den Körper wieder. Vielleicht erwische ich beim nächsten Mal den richtigen.

Es ist eine schwierige Beziehung, eigentlich ein Konflikt. Ich muss es aushalten. Ich kann nicht ausweichen. Es ist ein wenig wie in einem Gefängnis. Es braucht Kopfarbeit. Man kann es leben. Sein.
Alles dreht sich um dieses Thema. Auch wenn ich träume, bin ich eine Frau.

Es ist nicht einfach, die TransFrau zu leben. Auch wenn man alles akzeptiert und versteht. Ich glaube, ich brauche mehr Energie für die Nerven und mentale Kraft. Ich bin mehr müde. So mache ich jetzt immer eine erholsame Siesta, nackt in meinem leinenen Bett.

Wenn ich meinen falschen Körper akzeptiere, wird er zum richtigen. Ich habe einfach den anderen. So kann ich mit diesem Körper meine Frau bewusst als TransFrau leben. Ich muss gar keine Frau werden, im Äusseren, was sowieso nicht möglich ist. Innen bin ich ja eine Frau. Diese Akzeptanz gibt mir Zufriedenheit und die Freiheit, zu sein, wie ich bin. Die Existenz hat mich so kreiert. Und ich habe einen akzeptablen Körper für eine TransFrau bekommen.

Das Innere steht über den Gedanken. Die Gedanken müssen sich dem Inneren anpassen. Mit Denkarbeit. Mit Analysieren. Mit Beobachten. Mit Intuition. Mit Bewusstheit. Das Denken ist flexibel, der Körper nicht. Denken ist der Schlüssel. Die Gedanken beobachten können, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Ich bin ja nicht die Gedanken. So kann ich diesen Körper neu wahrnehmen und akzeptieren. Er ist jetzt der männliche Körper einer Frau. Es geht.

Der Körper ist essenziell. Wenn ich meine Beine anschaue, sehe ich schöne weibliche Beine. Diese Beine gehören zu einer Frau. Wenigstens ein Teil von meinem Körper ist Frau. Deshalb verstehe ich die TransFrauen welche operative und hormonelle Eingriffe machen. Diese Bestätigungen tun einfach so gut.

Alles, was ich am Körper erkenne und formal eigentlich neutral ist oder weiblich, tut mir gut. Meine Füsse, meine Beine, meine Hände, meine kleinen Brüste. Das könnte wirklich von einer Frau sein. Und was nicht: Mein Bauch, keine Taille, keine Hüfte und ein männliches Gesicht. Und ich habe einen Penis, aber das ist nicht so wichtig, er ist nicht sehr sichtbar. Auch ist es kein sexuelles Problem. Ich bin eine TransFrau.

Wir haben hier einen Körper, nicht um ihn zu verstecken, sondern um ihn zu zeigen, zu feiern, mit ihm zu spielen, Spass zu haben, zu flirten, ihn zu akzeptieren und zu geniessen. Zu leben und zu lieben, zu denken, zu fühlen und Sex zu haben. Auch mit dem falschen Körper. Dem anderen Körper. Als TransFrau!

Ich lebe die Frau natürlich anders, weil ich einen männlichen Körper habe. Ich habe zum Beispiel keine Menstruation erlebt. Das ergibt eine andere Prägung. Der männliche Körper wird sich immer irgendwie zeigen, auch im Gesicht, und vor allem, wenn er älter wird. Das ist die TransFrau.

Du bist das, was du bist! Innen wie aussen. Da kannst du nichts ändern. Negiere deinen männlichen Körper nicht, er gehört zu dir, er ist deine Wohnung. Eine TransFrau und eine echte Frau sind beide innen eine Frau, wenn auch nicht genau gleich, da der männliche Körper reinspielt, aber auch zurückspielt. Eine TransFrau ist eine echte TransFrau, nicht eine echte Frau.

Wenn man innen eine Frau ist und als TransFrau lebt, kann die innere Frau auch durch einen männlichen Körper ausstrahlen. Was man für mich auch schon gesagt hat. Das hat mit der Authentizität zu tun. Auch mit der Freude am inneren Sein. Das innere Sein nach aussen bringen, mit dem Körper, den man bekommen hat.

Ich kann mit Kleidung und Schminke eine gewisse Übereinstimmung erzeugen. Mein Inneres fühlt sich dann im Körper wohler. Je sexier ich mich anziehe, umso mehr Kongruenz kann ich mit meinem Inneren herstellen. Weil ich eine TransFrau bin, brauche ich nicht eine Frau vorzutäuschen. Ich dekoriere sozusagen meinen männlichen Körper. Es ist keine Selbsttäuschung, weil ich eine Frau in einem männlichen Körper bin. Ich negiere meinen männlichen Körper nicht. Er bleibt immer sichtbar. Ich kann ihn gar nicht verstecken.

Ich schlafe jetzt nackt, das gibt ein neues sinnliches Gefühl. Ich liebe es, mich so im Bett auf dem Leinen zu spüren. Ich empfinde meinen Körper so stärker. Weiblicher?

Ich wäre gerne jünger, um einen schöneren, schlankeren Körper zu haben. Damit könnte ich die TransFrau besser leben. Aber jetzt bin ich älter. Die inneren Gefühle haben kein Alter, sie ändern sich nicht. Das Innere ist jung, immer gleich. Nur der Körper ändert sich. Ist man nach dem Tod wieder jung? Da ist man weder jung noch alt. Ohne Körper. Man ist.

Wenn ich einen schönen nackten Frauenkörper sehe, seufze ich. Weil ich den Körper sehe, in dem ich wohnen möchte, den ich gerne hätte. Auch habe ich das Bedürfnis, so einen Frauenkörper zu berühren, zu streicheln, zu liebkosen, zu massieren. Ihn in mich einzusaugen. Ihn aufzuessen. Aufzulecken. Damit es der meine wird. Damit meine Frau ernährt wird. Ich würde gerne meine Seele, mein weibliches inneres sein, in ihren Körper bemen. Tauschen.

Wenn ich mich nackt sehe, seufze ich auch. Ich sehe einen älteren männlichen Körper. Aber mittlerweile kann ich diesen Körper trotzdem akzeptieren, auch weil er mir Brüste schenkt.

Wenn du als TransFrau erkennst, dass du nicht dein Körper bist, sondern das Innere, kann dir das sehr viel Kraft geben. Weil du dich in deiner Kombination verstehst. Du, dein inneres Sein, ist frei vom Körper. Innen bist du eine Frau. Weil du dein Inneres als dich erkennst, als deine Quelle des Seins. Das Äussere ist weniger bedeutend, weil du es ja gar nicht bist. Es ist nur die belebte Hülle, der Körper. Du kannst ihn besser annehmen, weil du von innen heraus lebst. Du kannst ihn auch besser zeigen. Es ist mir egal, wenn das meine Umgebung nicht versteht.

Der Körper ist die falsche Fährte, es geht nicht darum, ihn zu verändern. Es geht darum, falsche Gedanken zu ändern, sie zu erkennen. Distanz zu haben und zuzuschauen, sich nicht zu identifizieren. Sie sind stark von der Vergangenheit, der Erziehung und der Religion geprägt. Es hat mit Spiritualität zu tun. Bewusstsein zu generieren. Sich zu verstehen, vor allem erkennen, dass man nicht der Körper ist. Dann kannst Du eigentlich relaxen und glücklich sein. Wie ich, ich liebe mich so, wie ich bin. Ich habe mich noch nie besser gefühlt. Authentisch sein ist das Wichtigste.

Mein Penis

Ich bin eine Frau mit Penis.
Er ist jetzt der Penis einer Frau. Einer TransFrau. Wenn ich meinen Körper ganz akzeptiere, gehört der Penis natürlich dazu. Er ist ein wunderschönes Spielzeug. Er muss nicht weg. Ich bin trotzdem eine Frau! Man darf auch die Erhebung sehen. Ihn nicht verstecken.

Mein Penis definiert die innere Frau nicht, er gehört zum Körper. Es hat keinen Einfluss auf die innere Frau. Auf die TransFrau aber schon. Es geht bei Trans nicht um die Sexualität. Es ist kein sexuelles Problem.

Jetzt habe ich eine neue Beziehung zu ihm. Ich musste ihn wie neu kennenlernen, neu akzeptieren. Verstehen, dass er jetzt zu einer Frau gehört und nicht mehr zu einem Mann, dass es das eben auch gibt und eben auch geht. Das Denken umprogrammieren. Als ob ich nochmals eine Pubertät durchlebe. Ich kann ja meinen Körper nicht wechseln, und die Operation ist absurd.

Ich trage ihn jetzt nach oben. Es ist ein anderes Gefühl als früher, heller, positiver, auch bewusster. Ich ziehe weibliche Unterhosen an, die meinen Penis und Hoden nach oben ziehen. So habe ich nichts zwischen den Beinen, das ergibt auch längere Beine. Auch spüre ich die Oberschenkel besser. Die Klitoris ist oben, so wie mein Penis jetzt auch. Er wird mehr sichtbar, aber das darf er auch, ich bin eine TransFrau!

In der fotografischen Arbeit mit Vanessa Naef bin ich nackt und man sieht etwas den Penis. Ich sehe mich in dieser Fotografie trotzdem als Frau. Es war eine schöne Erfahrung.

Meine Hoden

Jetzt als Frau stören sie mich manchmal, weil sie Platz brauchen. In einem Body oder auch in Unterhosen drücken sie gerne an der Seite nach aussen. Wo sollen sie auch hin? Ich trage meinen Penis nach oben, da können sie nur links und rechts Platz nehmen. Ansonsten mag ich sie schon, sie sind so sensitiv, erotisch.

Mein Anus, Po

Auch ihn finde ich erotisch. Die Zone rundherum ist sehr empfindlich. Ich trage gerne Strings, die machen mir den Po und Anus bewusster, und es ist herrlich mit Strumpfhosen, der Po formt sich gut.

Meine Brust

Ich liebe meine kleinen Brüste! Es ist die grosse Freude. Ein Geschenk! Sie fingen schon an zu wachsen, bevor ich erkannt habe, dass ich eine Frau bin. Ich war flach. Mittlerweile halte ich es für normal, Brüste zu haben, es stimmt einfach. Mein Körper unterstützt mich als Frau! Ich muss nichts künstlich machen! Sie haben mir sogar geholfen, mich als Frau zu erkennen. Es ist ein so starkes weibliches Zeichen. Und es ist erstaunlich, dass sich in meinem Alter mein Körper so ändern kann. Das hat mit den Hormonen zu tun. Vielleicht auch mit der Erkenntnis des inneren Seins als Frau.

Ich habe neue Gefühle in den Brüsten, vor allem in den Brustwarzen, es kann erotisierend sein. Es gibt auch eine Verbindung zum Penis.

Aus Neugierde habe ich Büstenhalter probiert. Es bringt mir meine Brust mehr ins Bewusstsein, ich fühle sie stärker. Das innere Gefühl ist mir bedeutsamer, nicht eine grosse künstliche Brust. Jetzt ziehe ich manchmal einen an.

Optische Betonungen finde ich sehr interessant. Die Brustwarzen dunkler kolorieren und mit einem Halter nur aus Bügeln kombinieren. Das gibt zwei Halbkreise unter die Brüste. Oder auch ein kontrastfarbiger Halter unter einem Shirt. Die Oberteile müssen etwas durchsichtig oder durchbrochen sein.

Die Brustwarzen sind die Krönung, es ist so bezaubernd, wenn sie sichtbar sind. Es braucht manchmal etwas Mut. Ich zeige sie sehr gerne, sie sind so zart und sexy. Zeige deine Kronen.

Frauen kleiden sich in Leggings, wo man das Schambein sieht, und auch einen schönen Po. Aber bei der Brust ist es schwieriger. Die Brustwarzen dürfen nicht sichtbar sein. Wieso? So etwas Schönes. Wenn ich sie zeige, merke ich, wie das provoziert. Dabei sind es ja sogar die Brustwarzen eines männlichen Körpers. Aber sie wirken bei mir, als wären sie von einem weiblichen Körper. Haben Frauen oft Brustkrebs, weil sie ihre Brüste nicht akzeptieren?

Mein Gesicht ist ein separates Kapitel

Mein Bauch

Ich habe einen Bauch. Manchmal stört er mich, da sich Miniröcke schlechter tragen. Kleider gehen relativ gut, sogar ganz körpereng. Und die, welche wie ein Rock unter der Brust anfangen, verstecken den Bauch wunderbar. Aber mein Bauch hat manchmal auch etwas sehr Weibliches, Sinnliches, eben Rundes, was mir manchmal sogar gefällt. Dann passt er, wenn er sichtbar ist. Wirklich schlimm ist er nicht, aber trotzdem versuche ich, etwas abzunehmen.

Meine Beine

Es war mir nicht bewusst, dass meine Beine so schön sind. Jetzt zeige ich sie sehr gerne und habe Freude, weil sie so sexy und feminin sind. Frauen sagen mir oft, dass sie schön sind. Mit ihnen kann ich meine Frau in Szene setzen. Am liebsten habe ich sie nackt. Wenn ich sie anschaue, gibt mir das erhebliche Zufriedenheit. Natürlich enthaare ich sie. Sie haben Flecken oder Narben, aber das stört mich nicht, das freie Gefühl ist so schön. Und in Kombination mit Heels sind sie einfach mega! Und sexy!

Meine Füsse.

Sie sind klein, 39, und schön, und mit lackierten Nägeln so herzig. Von einer Frau! Ich schaue sie so gerne an. Ich mag sie, ich finde Füsse erotisch. Die vom Boden abgehobene Sohle. Sie entspricht auch dem High-Heel. Oder auch gespreizte Zehen. Auch berühre, streichle oder massiere ich gerne Füsse. Ich laufe oft barfuss, aber trage natürlich auch sehr gerne hohe Absätze. Meine Frau wird so wunderschön unterstützt.

Meine Hände

Die nehme ich permanent wahr. Sie sind klein. Es ist entscheidend, dass ich Nagellack trage. So sehe ich die Hände meiner Frau. Manchmal sehe ich sie, als ob es nicht meine wären. Ich kann Ihnen zuschauen, dann sind das echt Hände von einer Frau! Natürlich beobachte ich immer auch die Hände von den Frauen. Sie können feiner sein und sich auch überstrecken.

Die Stimme

Ich hätte gerne eine weibliche. Manchmal stört es mich, wenn ich mich reden höre. Vor allem, wenn ich mal fluche. Das erinnert mich so stark an die Zeit vorher. Ich liebe Chansons, Schlager und Pop von französischen Sängerinnen. Ich höre so gerne Ihre bezaubernden Stimmen. Vielleicht wäre ich ja gerne eine Sängerin geworden.

Die Haare

Wallende lange Haare sind so sinnlich und weiblich. Frauen haben eine so schöne Qualität. Meine sind auch lang, das hatte ich fast immer so. Jetzt sind sie mit Henna gefärbt und es steht mir gut. Ich befeuchte sie manchmal mit Wasser und zwirble sie um ihre Achse und lasse es trocknen. Das ergibt wilde Wellen! Gegenwärtig trage ich am liebsten ein Bürzi. Eine kleine Krone. Für eine kleine Prinzessin.