Clémence Ruben
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Ich bin eine Frau
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Clémence
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Wohnen im Körper
september 26


Ich bin das Innere. Das Sein. Ich bin nicht der Körper, ich wohne in ihm. Er ist meine Wohnung.

Als TransFrau erkenne ich gut, dass ich nicht mein Körper bin. Das innere Geschlecht, das innere weibliche Sein, stimmt nicht mit dem äusseren physischen männlichen Körper und Geschlecht überein. So bin ich innerlich eine Frau, aber äusserlich habe und bewohne ich einen männlichen Körper. Er ist mein äusserer Halt von meinem inneren Sein, das Gefäss mit dem Bewusstsein und all seinen körperlichen Funktionen. Meine Wohnung!

Wenn du erfahren hast und dadurch jetzt weisst, im falschen Körper zu sein, zu leben, kannst du ja gar nicht der Körper sein. Du weisst, dass Dein Inneres nicht zu ihm passt. Du bist dieses innere Sein. Also bist du nicht der Körper. Du bist dieses Sein als eine Frau.

Wir sind hier, aus zwei eigentlich getrennten Sachen, dem physischen Körper und der inneren Energie des Seins. Es ist wie eine Trennung vom Inneren und dem Äusseren. Das Bewusstsein, die Erkenntnis, dass dem so ist, nenne ich Trennung, weil wir nicht der Körper sind. Natürlich ist hier als Mensch beides miteinander verbunden oder verwoben. Hier verbindet sich das innere, körperlose Sein mit dem äusseren Körper. Das innere Sein hat sich in einen Körper begeben, unsere Wohnung. Wir sind innen. Wir sind nicht der Körper. Irgendwann löst sich diese Verbindung aber wieder völlig auf. Mit dem Tod.

Wie kann man der Trennung, also des Wohnens im Körper, nicht bewusst sein? Wenn du weisst, eine Frau zu sein, aber dein Körper ist männlich! Wenn der Körper mit dem Inneren passt, ist es schwieriger, die Erfahrung der Trennung, des Wohnens im Körper, zu erleben.

Wir sind immer das Innere. Das Sein. Jeder Mensch. Auch wenn der Körper stimmt. Wenn man meint, man sei der Körper, ist man getäuscht. Man hat diese Erkenntnis noch nicht gemacht. Man ist mit dem Körper identifiziert. Man merkt es nicht. Man meint, man sei der Körper. Man meint, man sei die Emotionen oder Gefühle. Man meint, man sei die Gedanken. Das ist nur Identifikation.

Die Gedanken sind austauschbar. Sie sind endlich. Der Körper auch. Das Innere nicht. Nie. Es ist unendlich. Der Mensch kann sich Unendlichkeit schlecht vorstellen.

Durch Lebenserfahrung, Meditation, Selbsterfahrung, spirituelle Schulungen, Yoga oder das Trans kann man zur Erkenntnis gelangen, dass wir nicht unser Körper sind. Es ist eine Erfahrung, eine Erkenntnis, die nur erlebt werden kann; sie kann nicht weitergegeben werden. Es ist keine Idee oder Ideologie oder Theorie, es kommt nicht vom Gehirn oder Denken. Es ist schwierig zu erklären und zu verstehen. Deshalb wird das Trans ohne diese Erfahrung nicht wirklich verstanden. Auch von TransFrauen manchmal nicht.

Die Diskussionen über Trans sind oft so kompliziert und emotional, weil nicht zwischen dem äusseren Körper, mit seinen Emotionen und Gedanken, und dem inneren Sein unterschieden wird. Wir sind nicht der Körper. Auch hat es nichts mit der Sexualität oder dem Geschlechtsorgan zu tun. Und es ist keine Entscheidung. Es kommt nicht vom Kopf. Alles wird vermischt, alles fokussiert auf den Körper, weil sich die meisten mit dem Körper und ihren Gedanken identifizieren.

TransFrauen identifizieren sich oft mit ihrem Körper, mit ihrer Wohnung. Auch deshalb machen sie hormonelle und operative Eingriffe. Was ich verstehe. Das hilft, sich mit dem Körper wohler zu fühlen. Aber ich denke, sie werden nie ganz zufrieden sein. Bis sie erkennen, dass sie nicht ihr Körper sind, sondern das innere Sein, und ihn dann besser akzeptieren können. Sie können ihm besser zuschauen. Auch mit dieser Erkenntnis kann man Angleichungen machen, dann eben ganz bewusst, und sie wirken dann vielleicht sogar besser, weil man dem Körper genauer zuschauen kann. Dann ist das Leben leichter, ohne die Identifikation mit dem Körper, den Gedanken, den Gefühlen, dem Ego. Es ist wie eine Falle, die durch Spiritualität, Meditation, Bewusstsein und richtiges Denken gelöst werden kann.

Wir sehen oft nur das Äussere des Menschen, deshalb ist es für TransFrauen so schwierig. Die innere Frau ist nicht sichtbar. Der männliche Körper schon. Wenn man Angleichungen zur Frau macht, hilft es, besser gesehen und gelesen zu werden, als TransFrau, nicht als Frau. Der gesellschaftliche Druck des Mann/Frau-Schemas ist immens.

Wir haben ein inneres, feststehendes, unveränderliches Geschlecht, welches vom biologischen Körper unabhängig ist. Wo und wie das gespeichert ist, weiss ich nicht. Im Körper ist es nicht. Hier zeigt sich auch wieder die Trennung. Sonst wäre ich innerlich ein Mann, mein männlicher Körper würde bestimmen, was ich bin. Diese Information muss im Sein liegen. Wir sind ein Sein. Es gibt vielleicht ein weibliches Sein und ein männliches Sein und ein neutrales Sein. Und es kann passieren, dass dieses weibliche Sein nicht im passenden Körper ist, wie bei mir in einem männlichen. Und diese Information kommt früher oder später ins Bewusstsein. So erkennt man sich dann als TransFrau.

Das Bewusstsein erlaubt dir die Erkenntnis, dass dein Körper nicht passt, dass du nicht dein Körper bist. Es sind nicht die Gefühle oder Gedanken, die sind vom Körper. Sie selbst sind nicht die Erkenntnis, sie selbst sind nicht die Frau, sie führen dazu. Du bist innen, das Sein. Ein weibliches Sein.

Wenn das Sein einer Frau in den falschen Körper kommt, hat das sicher einen Grund. Das heisst, dass ich nicht im falschen Körper bin, sondern nur im anderen. Wenn ich meinen Körper akzeptiere, wird er wieder der richtige, weil es sich so aus der Existenz ergeben hat. Wir sind immer im richtigen Körper, es kommt darauf an, wie man die Kombination sieht und denkt. Ich bin eine TransFrau im richtigen, männlichen Körper.

Wir wissen nicht, wieso es das Trans gibt. Es gehört zur Existenz, zur Göttlichkeit. Was ein Grund ist, es zu akzeptieren. Diese Erfahrung zu machen. Es zu leben. Es ist natürlich, positiv, schön, menschlich. Es gibt es nicht so oft, vielleicht ein Prozent der Menschen. Die Natur spielt eine Abweichung des Normalen. Sie spielt Ausnahmen, Besonderheiten. Wir sind exklusiv!

Es gilt, die TransFrau als TransFrau zu sehen und zu leben, nicht als Frau. Was sie ja auch ist. Sie ist eine Frau, eine innere Frau, die in einem männlichen Körper, in einer männlichen Wohnung, wohnt. Und wir können diese Wohnung nur etwas angleichen, wir können sie nicht wechseln. Man soll nicht aus einer echten TransFrau eine echte Frau machen wollen. Eine TransFrau, ist nie und wird nie zu einer echten Frau. Auch wenn man das immer wieder hört. Es gilt, zu sein, zu akzeptieren, was man schon ist. Eine TransFrau.

Trotzdem kann man die Wohnung etwas gestalten. In eine andere Wohnung umziehen können wir aber nicht. Wir sind unkündbar verbunden. Die einzige Möglichkeit, sie zu verlassen, ist der Tod.