| Das Fotoprojekt mit Vanessa
Vanessa Naef macht ein Fotografie Studium in Bern. An der gleichen Schule wie ich einmal Grafik gelernt habe. Sie möchte ein Essay über mich machen und ich habe eingewilligt. Die ganze Klasse ist eine Woche hier in einem Gasthaus logiert. Jeder Student hat sich in der Umgebung ein Projekt ausgewählt.
Vanessa kommt um zu rekognoszieren. Wir haben uns sofort gut verstanden. Es interessiert mich, etwas fotografisches mit Ihr zu machen.
Kurz vor der Woche habe ich die Idee: Die Verbindung von meiner Kunst und meinem Körper und meiner TransFrau, in zwei Fotos zu erklären.
Von der Radierung zum Bild. Von schwarz/weiss zu Bunt. Von unbewusst zur Bewusstheit. Von den Geschlechtsorganen in meiner Kunst. Ich als Frau im männlichen Körper, das akzeptieren dieses Körpers, und es zu zeigen.
Das erste Foto ist schwarz weiss: Ich bin Nackt mit einer Radierung. Das zweite Foto ist farbig: Ich bin Angekleidet mit dem gemalten Bild von der gleichen Radierung.
Vanessa findet das interessant, irgendwie möchte Sie die Idee in ihr Essay integrieren.
Vanessa steht am Montag vor der Tür! Beim Kaffee schwatzen wir ausgiebig, auch über mich als TransFrau. Für Ihr Essay braucht Sie auch einen Text. Wir gehen ins Atelier und Vanessa möchte gleich mit der Idee anfangen. Ich war überrascht. Wir tasten uns heran.
Zuerst das Foto mit dem farbigen Bild. Soll ich stehen oder sitzen, und wie? Beine überkreuzen oder offen, die Stuhllehne einbeziehen? Was sieht locker aus? Wir machen kleine Serien in verschiedenen Stellungen. Vanessa installiert noch einen Blitz.
Dann das Foto mit der Radierung und mir, nackt. Es kostete mich ein bisschen Überwindung, meinen männlichen Körper vor ihr zu zeigen. Im dem Moment wäre ich sehr gerne in einem weiblichen gewesen. Ihre offene Art half mir wunderbar. Es war für mich interessant in dieser Situation meinen Körper wahrzunehmen und meine Gedanken und Gefühle zu beobachten. Ich habe mich wohl gefühlt.
Bei der Aktaufnahme, war es das gleiche herantasten wie bei der Farbaufnahme, stehen, oder sitzen? Es muss auch zur Anderen Aufnahme passen. Wie muss ich die Radierung halten? Es ist ja nicht ein Bild das auf dem Boden steht. Wir merken das ich sie nicht vor den Körper halten muss. Auch ist es interessant etwas vom Penis zu sehen. In meiner Kunst sind überall Geschlechtsorgane.
Dieser erste Tag war wie ein Layout, ein Entwurf. Über Tausend mal hat Vanessa abgedrückt. Es war ein intensives hin und her, immer auf den Monitor der Kamera blickend. Besprechen was man empfindet oder entdeckt. Was man ausprobieren möchte um herauszufinden, wie es wirkt. Plötzlich war es nachmittags, wir hatten nicht einmal gegessen, wir waren hungrig. Wir laden die Fotos auf meinen Mac um sie später gross zu sehen. Unterdessen gehen wir nach unten, wir machen einen feinen Salat den wir sehr geniessen.
Wieder oben, am Mac, sehen wir welche Stellungen gut sind. Wir wollen sie am nächsten Tag definitiv fotografieren.
Zweiter Tag, jetzt gilt es ernst. Was soll ich anziehen? Zuletzt lande ich beim gleichen Kurzkleid wie am Vortag. Aber jetzt natürlich mit Strümpfen und den richtigen Schuhen. Offene Haare? Welche Ohrringe? Letztendlich hilft mir Vanessa bei der Auswahl.
Wir fangen wieder mit dem angezogenen Foto an. Wir müssen noch klären wie die beiden Bilder zueinander stehen. Wir müssen es spiegeln. Wir kommen gut voran, wir müssen nicht mehr grundsätzlich etwas suchen, die Stellung ist klar. Der Blick in meinen Schritt ist interessant, eine schwarze Unterhose über der Strumpfhose erinnert an die Schamhaare in meinen Bildern.
Bei der Nacktaufnahme geht es weniger schnell. Die Brust? Der Bauch? Die Beinstellung, übernehmen wir von der Farbaufnahme. Der Penis ist ein wenig sichtbar, es ist mir wichtig, ich bin eine TransFrau, eine Frau mit Penis, und wegen der Geschlechtsorgane in meiner Kunst. Dann noch eine Variante ohne Blick zwischen die Beine, für die Dozenten, es ist aber kein Problem.
Wir haben es geschafft. Wir schauen alles nochmals am grossen Bildschirm an. Wir haben die gleichen Favoriten.
Für Ihr Essay hat Vanessa weitere Fotos gemacht. Aktaufnahmen mit einem alten Nerzmantel. Auch Portraits. Ich, beim Zeichnen, beim Staubsaugen im BnB, beim Kochen, beim Treppensteigen, beim chillen in den Grossen Fenstern. Auch das Haus von aussen bei Regen in der Nacht.
Es gibt im Gasthaus eine Ausstellung von den arbeiten der Studenten. Die Arbeit von Vanessa wird gelobt und sticht heraus. Die beiden Fotos mit der Kunst sind gut in Ihr Essay integriert.
Ich habe sehr viel Freude am Resultat!
Vielen Dank Vanessa!
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Zu den zwei Fotos |
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